Strontiumchlorid in Zahnpasta: Kann es bei empfindlichen Zähnen helfen?
Empfindliche Zähne
sind ein häufiges Problem. Viele Menschen kennen den kurzen, stechenden Schmerz beim Trinken von kaltem Wasser, beim Essen von sauren Lebensmitteln oder beim Einatmen kalter Luft. In der Zahnmedizin spricht man dabei von Dentinhypersensibilität. Gemeint ist ein kurzer, scharfer Schmerz, der vom freiliegenden Dentin ausgeht und durch Reize wie Kälte, Luft, Berührung, Säure oder osmotische Veränderungen ausgelöst werden kann.
Dentin liegt unter dem Zahnschmelz und enthält feine Kanälchen, die sogenannten Dentintubuli. Wenn diese Kanälchen freiliegen, können äußere Reize leichter an das Innere des Zahnes weitergeleitet werden. Das kann zu Überempfindlichkeit und Schmerzen führen. Ursachen können zum Beispiel Zahnfleischrückgang, freiliegende Zahnhälse, erosive oder abrasive Zahnschäden, starkes Schrubben beim Zähneputzen oder säurehaltige Ernährung sein. Wichtig ist jedoch: Empfindliche Zähne sollten zahnärztlich abgeklärt werden, da auch Karies, Risse im Zahn, undichte Füllungen oder andere Zahnerkrankungen ähnliche Beschwerden verursachen können.
Zur Behandlung empfindlicher Zähne werden häufig spezielle Zahnpasten eingesetzt. Sie sollen entweder die Reizweiterleitung an den Nerven reduzieren oder die offenen Dentintubuli verschließen. Zu den bekannten Wirkstoffen in desensibilisierenden Zahnpasten gehören unter anderem Kaliumnitrat, Fluoride, Strontiumchlorid, Oxalate, Arginin, Bioaktivglas und Calciumphosphate.
Strontiumchlorid gehört zu den klassischen Wirkstoffen gegen empfindliche Zähne. Strontium ist chemisch mit Calcium verwandt und kann sich an mineralisierte Zahnstrukturen wie Dentin anlagern. In Zahnpasten wird Strontiumchlorid vor allem deshalb eingesetzt, weil es helfen kann, offene Dentintubuli zu verschließen. Dadurch sollen Kälte, Luft oder andere Reize weniger stark ins Zahninnere weitergeleitet werden. Der Effekt entsteht nicht sofort wie bei einer Betäubung, sondern entwickelt sich eher durch regelmäßige Anwendung.
Eine klinische Studie von Jang und Kollegen, veröffentlicht 2023 in Scientific Reports, untersuchte verschiedene Zahnpasten zur Linderung von Dentinhypersensibilität. Es handelte sich um eine vierwöchige, doppelblinde, randomisierte klinische Studie mit 53 Teilnehmern. Die Teilnehmer wurden drei Gruppen zugeteilt: eine Zahnpasta ohne speziellen Wirkstoff, eine Zahnpasta mit Strontiumchlorid und eine Zahnpasta mit Tricalciumphosphat. Die Studienteilnehmer sollten ihre Zähne vier Wochen lang dreimal täglich jeweils drei Minuten mit der zugeteilten Zahnpasta putzen.
Die Empfindlichkeit der Zähne wurde zu Beginn, nach zwei Wochen und nach vier Wochen untersucht. Dabei wurden verschiedene Reize eingesetzt: Luft, Kälte und Säure. Zusätzlich wurde das subjektive Empfinden der Teilnehmer mit einer visuellen Analogskala bewertet. So konnte sowohl die objektive Reaktion auf definierte Reize als auch das persönliche Schmerzempfinden berücksichtigt werden.
Die Ergebnisse zeigten, dass sich die Dentinhypersensibilität mit längerer Anwendung in allen Gruppen verbesserte. Das bedeutet: Je länger die Zahnpasten verwendet wurden, desto stärker nahm die Empfindlichkeit gegenüber Luft, Kälte und Säure ab. Besonders die Zahnpasta mit Tricalciumphosphat zeigte in dieser Studie eine deutliche Wirkung gegenüber der Kontrollzahnpasta ohne aktiven Wirkstoff, insbesondere bei Luft- und Kältereizen. Beim subjektiven Schmerzempfinden schnitt Tricalciumphosphat ebenfalls besser ab als die Kontrollgruppe und die Strontiumchlorid-Gruppe.
Für Strontiumchlorid ist die Studie dennoch interessant. Die Autoren beschreiben, dass Strontiumionen schon seit den 1960er-Jahren als Wirkstoffe gegen Dentinhypersensibilität untersucht werden und in vielen Zahnpasten gegen empfindliche Zähne eingesetzt wurden. Ihre Wirkung wird vor allem damit erklärt, dass Strontium aufgrund seiner Ähnlichkeit zu Calcium an Dentin binden und zur Verschließung der Dentintubuli beitragen kann. In der Studie war Strontiumchlorid als positiver Kontrollwirkstoff enthalten, weil es seit langer Zeit in desensibilisierenden Zahnpasten verwendet wird.
Gleichzeitig zeigt die Studie auch, dass die klinische Wirksamkeit von Strontiumchlorid nicht in jedem Punkt eindeutig ist. Die Autoren weisen darauf hin, dass die Datenlage zur Wirkung von Strontiumchlorid bei Dentinhypersensibilität teilweise uneinheitlich und wissenschaftlich diskutiert ist. Das bedeutet nicht, dass Strontiumchlorid wirkungslos ist. Es bedeutet vielmehr, dass die Wirksamkeit von der Zusammensetzung der Zahnpasta, der Anwendung, der Studiendauer, der Art des Reizes und der individuellen Situation abhängen kann.
Praktisch wichtig ist die regelmäßige Anwendung. In der Studie putzten die Teilnehmer dreimal täglich drei Minuten lang über vier Wochen. Diese konsequente Anwendung ist ein wichtiger Punkt, denn desensibilisierende Zahnpasten wirken meist nicht nach einer einzigen Anwendung dauerhaft. Sie benötigen Zeit, damit sich Wirkstoffe auf dem Dentin anlagern oder Dentinkanälchen verschlossen werden können. Wer empfindliche Zähne hat, sollte daher nicht nach wenigen Tagen aufgeben, sondern die Zahnpasta über einen längeren Zeitraum regelmäßig verwenden, sofern sie gut vertragen wird.
Trotzdem sollte man empfindliche Zähne nicht ausschließlich selbst behandeln. Wenn Schmerzen plötzlich auftreten, einseitig sind, stärker werden oder mit sichtbaren Schäden, Zahnfleischrückgang, Kariesverdacht oder Schmerzen beim Kauen verbunden sind, ist eine zahnärztliche Untersuchung wichtig. Eine Zahnpasta gegen empfindliche Zähne kann Symptome lindern, beseitigt aber nicht automatisch die Ursache.
Zusammenfassend: Strontiumchlorid ist ein klassischer Wirkstoff in Zahnpasten gegen empfindliche Zähne. Es kann durch seine Nähe zu Calcium an Zahnstrukturen binden und möglicherweise dazu beitragen, offene Dentintubuli zu verschließen. Die klinische Studie von Jang et al. zeigte, dass alle untersuchten Zahnpasten bei regelmäßiger Anwendung über vier Wochen die Dentinhypersensibilität verringerten. In dieser Studie schnitt die Tricalciumphosphat-Zahnpasta am besten ab, während Strontiumchlorid weiterhin als traditioneller, wissenschaftlich untersuchter Wirkstoff zur Desensibilisierung gilt.
Quelle: Jang JH. et al. A randomized clinical trial for comparing the efficacy of desensitizing toothpastes on the relief of dentin hypersensitivity. Scientific Reports. 2023.
https://www.nature.com/articles/s41598-023-31616-6

