Lebensmittelunverträglichkeiten im Jahreslauf: Was im Sommer und Winter in Deutschland besonders häufig Probleme macht
Essen
soll nähren, wärmen, erfrischen und Freude machen. Doch für viele Menschen in Deutschland ist eine Mahlzeit nicht nur Genuss, sondern auch ein kleines Rätsel: Warum bläht der Bauch nach dem Eis? Warum macht der Obstsalat müde und unruhig? Warum liegt das Glas Rotwein schwerer im Körper als gedacht? Lebensmittelunverträglichkeiten zeigen sich oft unspektakulär, aber hartnäckig. Sie können Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfall, Übelkeit, Kopfschmerzen, Hautreaktionen oder ein allgemeines Krankheitsgefühl auslösen. Wichtig ist dabei die Unterscheidung: Eine Unverträglichkeit ist nicht automatisch eine Allergie. Bei vielen Intoleranzen ist das Immunsystem nicht beteiligt, anders als bei echten Lebensmittelallergien. Das Bundesinstitut für Risikobewertung grenzt unter anderem Zöliakie, Laktoseintoleranz und Fruktosemalabsorption von klassischen Lebensmittelallergien ab.
Zu den bekanntesten und häufigsten Unverträglichkeiten gehören in Deutschland vor allem Laktoseintoleranz, Fruktosemalabsorption, Histaminintoleranz sowie Beschwerden im Zusammenhang mit Gluten beziehungsweise Weizen. Auch Sorbit und andere Zuckeralkohole können eine Rolle spielen. Der NDR beschreibt, dass Zucker-Unverträglichkeiten wie Laktose-, Fruktose-, Saccharose- oder Sorbit-Unverträglichkeiten häufig über Atemtests abgeklärt werden.
Im Sommer
treten Beschwerden oft dort auf, wo das Leben leichter wirken soll: beim Eisessen, Grillen, Picknick, auf Reisen oder beim Obstkuchen im Garten. Besonders auffällig ist in dieser Jahreszeit die Laktoseintoleranz. Milcheis, Eiskaffee, Sahnedesserts, Milchshakes oder Frischkäse-Dips gehören für viele zum Sommer dazu. Wer Milchzucker nicht gut verdauen kann, bemerkt nach solchen Speisen oft Blähungen, Bauchkrämpfe oder Durchfall. Nicht immer ist die Menge groß; manchmal reicht schon die Kombination aus Hitze, schnellem Essen und mehreren Milchprodukten an einem Tag.
Ebenfalls typisch für den Sommer ist die Fruktosemalabsorption. Erdbeeren, Kirschen, Wassermelone, Trauben, Apfelschorle, Smoothies und Fruchtsäfte gelten als frisch und gesund, können aber bei empfindlichen Menschen Beschwerden auslösen. Der Körper nimmt Fruchtzucker dann nur begrenzt auf, sodass er im Darm vergoren wird. Die Folge sind Druckgefühl, Blähbauch oder Durchfall. Besonders tückisch ist, dass Betroffene nicht unbedingt jedes Obst meiden müssen. Oft entscheidet die Menge, die Obstsorte und die Kombination mit anderen Lebensmitteln.
Auch Histamin kann im Sommer stärker auffallen. Grillabende, marinierter Fisch, Salami, gereifter Käse, Wein, Sekt, Bier, Essig-Dressings und fermentierte Produkte sind typische Begleiter warmer Abende. Die Techniker Krankenkasse weist darauf hin, dass Histamin besonders in gereiften oder fermentierten Lebensmitteln wie Wein und Käse vorkommt und Beschwerden wie Magen-Darm-Probleme, Hautreaktionen, Schwindel oder Kopfschmerzen auslösen kann. Gerade bei Hitze, Alkohol und langen Lagerzeiten kann der Körper zusätzlich belastet sein.
Im Winter
verschiebt sich das Bild. Dann stehen andere Lebensmittel im Mittelpunkt: Sahnesaucen, Käseaufläufe, Raclette, Plätzchen, Stollen, deftige Eintöpfe, Rotwein, Glühwein, Schokolade und festliche Menüs. Die Laktoseintoleranz bleibt auch im Winter eine der wichtigsten Unverträglichkeiten, nur zeigt sie sich anders. Statt Eis und Milchshake sind es nun Käsegerichte, Sahne, Milchschokolade, Pudding, Cremesuppen oder Desserts, die Probleme machen können.
Die Histaminintoleranz bekommt im Winter ebenfalls viel Raum. Rotwein, gereifter Käse, Sauerkraut, Wurstwaren, Räucherfisch, Essiggemüse und lange gelagerte Speisen passen gut in die kalte Jahreszeit, sind aber für histaminempfindliche Menschen oft schwierig. Ein gemütlicher Abend mit Käseplatte und Wein kann dann am nächsten Tag mit Kopfschmerzen, Hautrötungen, Herzklopfen oder Magen-Darm-Beschwerden bezahlt werden.
Bei Gluten- beziehungsweise Weizenbeschwerden ist der Winter für viele besonders herausfordernd. Brot, Pasta, Kuchen, Plätzchen, Lebkuchen und panierte Speisen gehören zur kalten Jahreszeit fast selbstverständlich dazu. Dabei muss man genau unterscheiden: Zöliakie ist eine Autoimmunerkrankung und keine einfache Unverträglichkeit. Daneben gibt es Menschen, die auf Weizenprodukte mit Beschwerden reagieren, ohne dass eine Zöliakie nachgewiesen wird. Gerade deshalb ist eine ärztliche Abklärung wichtig, bevor man dauerhaft glutenfrei isst.
Eine klare offizielle Rangliste nach Jahreszeit gibt es für Deutschland nicht. Sinnvoller ist daher der Blick auf saisonale Essgewohnheiten: Im Sommer fallen Laktose, Fruktose und Histamin besonders durch Eis, Obst, Grillprodukte und alkoholische Getränke auf. Im Winter stehen Laktose, Histamin und Weizen beziehungsweise Gluten stärker im Vordergrund, weil Milchprodukte, Käse, Gebäck, deftige Speisen und fermentierte Lebensmittel häufiger gegessen werden.
Wer den Verdacht auf eine Lebensmittelunverträglichkeit hat, sollte nicht vorschnell ganze Lebensmittelgruppen streichen. Ein Ernährungstagebuch über zwei bis vier Wochen kann helfen: Was wurde gegessen, wann traten Beschwerden auf, wie stark waren sie, und gab es Stress, Alkohol, Medikamente oder Infekte? Danach lässt sich gezielter prüfen, ob Atemtests, Blutwerte, eine Zöliakie-Diagnostik oder eine ernährungsmedizinische Beratung sinnvoll sind. Pauschale Verbote helfen selten. Besser ist es, die persönliche Toleranzgrenze zu kennen.
So zeigt sich: Lebensmittelunverträglichkeiten haben keine echte Saison wie Spargel oder Erdbeeren. Aber unser Speiseplan hat eine. Und genau deshalb fühlen sich manche Beschwerden im Sommer anders an als im Winter. Wer die Muster erkennt, kann wieder entspannter essen — nicht durch Angst vor Lebensmitteln, sondern durch Aufmerksamkeit, Wissen und eine Ernährung, die zum eigenen Körper passt.
Quellen:

