Sekundäre Pflanzenstoffe im Haar messen – möglich oder Mythos?
Immer mehr Haaranalysen werben damit, den Status von sekundären Pflanzenstoffen zu bestimmen.
Dazu zählen zum Beispiel:
- Polyphenole
- Flavonoide
- Carotinoide
- Antioxidantien
Das klingt modern und gesundheitsbewusst – doch stellt sich die entscheidende Frage:
Kann man diese Stoffe tatsächlich in einer Haarprobe messen?
Was sekundäre Pflanzenstoffe im Körper tun
Sie sind:
🌿 bioaktive Substanzen aus der Nahrung
🥦 Bestandteil von Obst, Gemüse, Kräutern und Gewürzen
Im Körper wirken sie unter anderem:
- als Antioxidantien
- entzündungsmodulierend
- auf den Zellstoffwechsel
Dabei sind sie:
👉 ständig im Einsatz
👉 werden umgebaut
👉 werden wieder ausgeschieden
Sie sind also Teil eines hochdynamischen Stoffwechsels.
Warum Haare dafür kein geeignetes Untersuchungsmaterial sind
Das sichtbare Haar ist:
- stoffwechselinaktiv
- nicht durchblutet
- biologisch ein Endprodukt
Damit ein Stoff über das Haar bestimmbar wäre, müsste er:
- während des Haarwachstums eingelagert werden
- dort stabil erhalten bleiben
- in messbarer Konzentration vorliegen
Für sekundäre Pflanzenstoffe ist das nicht der Fall.
Der entscheidende Unterschied zu Mineralstoffen
Mineralstoffe sind:
- anorganische Elemente
- chemisch stabil
- langfristig im Haar nachweisbar
Sekundäre Pflanzenstoffe sind dagegen:
❌ organische, empfindliche Moleküle
❌ stoffwechselaktiv
❌ nicht dauerhaft in der Haarstruktur gespeichert
Sie werden im Körper:
- umgewandelt
- verbraucht
- ausgeschieden
und nicht langfristig im Haar eingebaut.
Wie sekundäre Pflanzenstoffe wirklich untersucht werden
In der Wissenschaft erfolgt die Bestimmung über:
🩸 Blut
oder
💧 Urin
Dort lassen sich:
- ihre Stoffwechselprodukte
- ihre aktuelle Verfügbarkeit
nachweisen.
Das zeigt den tatsächlichen Versorgungsstatus.
Sekundäre Pflanzenstoffe im Haar – derzeit nicht möglich
Sie sind:
👉 aktive, kurzlebige Bestandteile des Stoffwechsels
Das Haar ist dagegen:
👉 ein stabiles Langzeitarchiv für bestimmte Elemente
Deshalb lassen sich sekundäre Pflanzenstoffe nicht sinnvoll über eine Haarprobe bestimmen.
Die Stärke der Haaranalyse liegt in der Untersuchung langfristiger Mineralstoff- und Elementeinlagerungen – nicht in der Bestimmung stoffwechselaktiver Pflanzenstoffe.

