Mikroplastik in der Luft: Wie Metalle mitreisen
Mikroplastik in der Luft kann Metalle aus zwei Quellen mitbringen: aus Kunststoffzusätzen und aus Stoffen, die sich später anlagern. Eine Untersuchung aus Taiwan zeigt, dass sich diese Mischung je nach Standort und Jahreszeit verändert.
Mehr kleine Teilchen im Wissenschaftspark
Das Team um Wahyu Diah Proborini verglich Luftstaub aus einem Wissenschaftspark, einem Stadtgebiet und einer ländlichen Gegend in Hsinchu. Bei den 0,5 bis 25 Mikrometer großen, mikroskopisch erfassten Mikroplastikteilchen lagen die Mittelwerte bei 111, 45,5 und 21,1 Teilchen pro Kubikmeter Luft. Im Wissenschaftspark waren es damit rund fünfmal so viele wie auf dem Land.
An den Teilchen fanden sich unter anderem Chrom, Kupfer, Zink, Arsen, Cadmium, Antimon und Blei. Die zugehörigen Metallkonzentrationen entsprachen etwa 3 bis 50 Prozent der Werte im gesamten Schwebstaub.
In der kühleren Jahreszeit überwogen nachträglich angelagerte Metalle. In der wärmeren spielten Metalle aus Kunststoffzusätzen eine größere Rolle. Die Auswertung deutete außerdem auf aufgewirbelten Staub als gemeinsame Quelle hin. Vergleiche mit örtlichen Kunststoffprodukten lieferten Hinweise auf Verpackungen und Gebrauchsartikel als Herkunft mancher Metalle.
Die Arbeit erschien im Journal of Hazardous Materials, online am 17. Juli 2026. Sie untersucht Umweltproben, keine Erkrankungen bei Menschen.
Was Mikroplastik von gewöhnlichem Staub unterscheidet
Ein Mikrometer ist ein Tausendstel Millimeter. Die kleinen Teilchen der taiwanischen Messreihe waren also höchstens 0,025 Millimeter groß. Der Begriff Mikroplastik wird dagegen häufig für Kunststoffteilchen bis knapp fünf Millimeter verwendet. Unter einem Namen stehen damit sehr unterschiedliche Größen.
Laut Umweltbundesamt entstehen solche Teilchen unter anderem durch die Abnutzung größerer Kunststoffe. Zu den Quellen gehören Textilfasern, Kunststoffbehälter und Reifenabrieb. Manche Partikel werden auch gezielt in kleiner Form hergestellt. Mikroplastik beschreibt das Material; die Bezeichnung Feinstaub richtet sich dagegen nach der Teilchengröße.
Für mögliche Wirkungen im Körper ist diese Unterscheidung wichtig: Größe, Form, Zusammensetzung und Oberfläche beeinflussen die Aufnahme. Auch Zusatzstoffe und anhaftende Stoffe können eine Rolle spielen. Eine reine Teilchenzahl sagt deshalb wenig darüber aus, welche Mischung tatsächlich vorliegt.
Was eine Messung aussagen kann
Nach Einschätzung des Umweltbundesamtes reichen die vorhandenen Daten noch nicht aus, um das Gesundheitsrisiko durch Mikroplastik zuverlässig zu beziffern. Viele Messverfahren sind schwer vergleichbar; auch Aufnahme und Ausscheidung im Körper sind nicht vollständig geklärt. Die Behörde sieht dennoch genügend Anlass, die Belastung zu verringern.
Eine Luftmessung, eine Hausstaubprobe und eine Untersuchung am Menschen beantworten unterschiedliche Fragen. Abgelagerter Staub ist nicht automatisch dieselbe Mischung wie die Luft, die gerade eingeatmet wird. Und ein Metallnachweis zeigt für sich genommen nicht, ob das Metall an Kunststoff gebunden war.
Wer gezielt Metalle in einer Staubprobe untersuchen lassen möchte, findet Informationen beim Mineral-Check Hausstaub. Die Analyse erfasst ausgewählte Metalle, aber kein Mikroplastik. Sie bestimmt weder die eingeatmete Menge noch ein persönliches Krankheitsrisiko. Mögliche Quellen erläutert unser Beitrag Schwermetalle im Hausstaub.
Quellen
- Proborini et al.: Airborne microplastics as concentrators of anthropogenic heavy metals, Journal of Hazardous Materials, 2026; Zusammenfassung und Publikationsdaten bei PubMed.
- Umweltbundesamt: Mikroplastik – Vorkommen, Aufnahme und Gesundheitsfragen, aktualisiert am 16. Oktober 2025.
Das Beitragsbild wurde mit KI erstellt und zeigt keine Originalprobe aus der Studie.

