
Bioresonanz oder Haarmineralanalyse? Wer nach einer Haaranalyse sucht, findet zwei sehr verschiedene Angebote. Bei der Bioresonanz werden Haare eingesendet. Bei einer Haarmineralanalyse im Labor werden Haare ebenfalls eingesendet. Das klingt ähnlich, ist aber nicht dasselbe.
Der wichtigste Unterschied ist einfach: Bei der Bioresonanz wird im Haar nichts chemisch gemessen. Bei einer Laboranalyse mit ICP-OES oder ICP-MS wird das Haar dagegen wirklich untersucht. Das Labor bestimmt, wie viel von einem Element in der Probe steckt.
Wissenschaft bedeutet: Eine Frage wird mit einer klaren Methode geprüft. Andere Menschen müssen sehen können, wie die Untersuchung gemacht wurde. Sie sollen die Daten prüfen und den Versuch wiederholen können. Auch Fehlerquellen und Unsicherheiten gehören dazu.
Bei einer echten Messung muss außerdem klar sein, was gemessen wurde, in welcher Einheit und mit welchem Gerät.
Pseudowissenschaft klingt wissenschaftlich, hält sich aber nicht an diese Regeln. Es werden zum Beispiel Fachwörter benutzt, ohne die Messgröße zu erklären. Oder es gibt starke Aussagen, aber keine Methode, keine prüfbaren Daten und keine Möglichkeit, das Ergebnis unabhängig zu wiederholen.
Nicht jedes alternative Angebot ist automatisch Pseudowissenschaft. Problematisch wird es dann, wenn eine Methode eine genaue Messung, eine Diagnose oder eine medizinische Wirkung verspricht, ohne zeigen zu können, wie das geprüft wurde.
Alternativ bedeutet: Ein Verfahren wird anstelle einer üblichen medizinischen Behandlung genutzt. Komplementär bedeutet: Es wird zusätzlich zur üblichen Behandlung genutzt. So erklärt es das US-amerikanische National Center for Complementary and Integrative Health.
Diese Wörter sagen noch nicht, ob ein Verfahren wirkt. Sie beschreiben nur, wie es eingesetzt wird.
Wer sich nach einer Anwendung besser oder entspannter fühlt, darf dieses Gefühl ernst nehmen. Dafür braucht die Person keine Studie. Das eigene Wohlbefinden ist eine persönliche Erfahrung.
Eine andere Frage ist, ob ein Verfahren bei vielen Menschen eine bestimmte Krankheit erkennt oder behandelt. Für solche allgemeinen medizinischen Aussagen braucht man gute Untersuchungen. Das persönliche Gefühl und ein wissenschaftlicher Wirksamkeitsnachweis sind also zwei verschiedene Dinge.
Bei einem Bioresonanz-Haartest dient die eingesandte Haarprobe im Konzept des Anbieters als Zugang oder Träger für die Auswertung. Das Haar wird aber nicht im chemischen Sinn analysiert.
Es wird nicht bestimmt, wie viel Calcium, Magnesium, Zink, Blei oder Quecksilber im Haar steckt. Das Haar wird nicht gewogen, mit Säure aufgelöst und mit einem Laborgerät auf seine Elemente geprüft. Deshalb entstehen auch keine echten Konzentrationswerte des Haares.
Das muss klar gesagt werden: Die Bioresonanz-Auswertung beruht nicht auf einer Messung der chemischen Zusammensetzung des Haares. Das Wort „Haaranalyse“ kann deshalb bei solchen Angeboten leicht ein falsches Bild erzeugen.
Manche Menschen nutzen Bioresonanz als alternatives oder begleitendes Wohlfühlangebot. Viele Anbieter verstehen ihr Gerät nicht als medizinisches Diagnosegerät. Sobald jedoch behauptet wird, das Gerät könne Krankheiten, Allergien oder Unverträglichkeiten feststellen oder behandeln, geht es nicht mehr nur um persönliches Wohlbefinden. Dann müssen solche Aussagen medizinisch und rechtlich geprüft werden. Nach der EU-Medizinprodukteverordnung kommt es dabei vor allem auf den vom Hersteller angegebenen Zweck an.
Bei einer Haarmineralanalyse im Labor ist das anders. Hier ist das Haar selbst die Probe. Ohne die Haare gibt es nichts zu messen.
Vereinfacht läuft die Untersuchung so ab:
Bei der ICP-OES wird dafür das Licht gemessen, das die Elemente im Plasma aussenden. Bei der ICP-MS werden geladene Teilchen nach ihrer Masse getrennt. Beide Verfahren liefern Zahlen, zum Beispiel Mikrogramm pro Gramm oder Milligramm pro Kilogramm. Auf Massenbasis entspricht Milligramm pro Kilogramm auch ppm.
Aktuelle Facharbeiten zeigen, wie solche Messungen geprüft werden. Eine spanische Studie aus dem Jahr 2026 validierte eine ICP-MS/MS-Methode mit zertifiziertem Referenzmaterial. Eine iranische Arbeit bestimmte mehrere Elemente nach dem Auflösen der Haare mit ICP-OES. Bei diesen Verfahren ist nachvollziehbar, was mit der Probe geschieht und wie aus einem Gerätesignal ein Messwert wird.
Ein Labor kann sehr genau messen, wie viel von einem Element in einer Haarprobe steckt. Trotzdem bedeutet ein hoher oder niedriger Haarwert nicht automatisch, dass eine Person krank ist, einen Mangel hat oder vergiftet ist.
Haare wachsen über längere Zeit. Während des Wachstums können Stoffe eingebaut werden. Gleichzeitig können Wasser, Schweiß, Staub, Shampoo, Färbemittel oder Blondierung das Haar von außen beeinflussen. Deshalb sind die Entnahme, der untersuchte Haarabschnitt und die Haarbehandlung wichtig. Unser Faktencheck zur Haaranalyse erklärt diese Grenzen ausführlicher.
Blut und Haar sind keine zwei Lineale, die denselben Gegenstand messen. Es sind zwei verschiedene Proben mit verschiedenen Aufgaben.
Ein Blutwert zeigt je nach Element eher, was zu diesem Zeitpunkt im Blut unterwegs ist. Der Körper hält viele Werte im Blut in einem engen Bereich. Er verteilt Stoffe, speichert sie oder scheidet sie aus. Ein normaler Blutwert bedeutet deshalb nicht automatisch, dass in jedem Gewebe genau dieselbe Lage besteht.
Ein Haarabschnitt entsteht dagegen über Wochen oder Monate. Er kann zeigen, was während dieser Wachstumszeit in das Haar eingebaut wurde. Zugleich kann das Haar von außen verunreinigt oder durch Kosmetik verändert werden.
Man kann es sich wie ein Foto und eine Spur über längere Zeit vorstellen: Das Blut ist eher ein Bild aus einem bestimmten Moment. Das Haar ist eher eine gewachsene Spur aus einem längeren Zeitraum. Beide können nützlich sein, aber sie beantworten nicht automatisch dieselbe Frage.
Darum macht es keinen Sinn, die Konzentrationen in Blut und Haar zwanghaft direkt miteinander zu vergleichen und Übereinstimmung zu verlangen. Wenn die Zahlen nicht zusammenpassen, ist das nicht automatisch der Beweis, dass eine Messung falsch ist. Die Proben stammen aus verschiedenen Bereichen des Körpers, bilden verschiedene Zeiträume ab und werden unterschiedlich beeinflusst.
Auch der Satz „Blut ist immer der Goldstandard“ ist zu einfach. Ein Goldstandard gilt immer nur für eine bestimmte Frage und ein bestimmtes Element. Für manche akuten Fragen ist Blut die passende Probe. Für bestimmte längerfristige Belastungen kann Haar sinnvoll sein. Ein bekanntes Beispiel ist Methylquecksilber. Für eine allgemeine Diagnose des Mineralstoffzustands reicht ein Haarwert allein dagegen nicht aus.
Eine Pilotstudie von 2025 verglich bei 30 Erwachsenen neun Mineralstoffe in Blut und Haar. Für die meisten Stoffe gab es keine deutliche Beziehung zwischen beiden Proben. Das ist nicht überraschend: Blut und Haar sind nicht austauschbar. Es beweist aber auch nicht, dass jeder Haarwert automatisch eine medizinische Bedeutung hat. Die Probe muss zur jeweiligen Frage passen.
Bei einer Bioresonanz-Auswertung wird die chemische Zusammensetzung des Haares nicht gemessen. Das Haar dient nur als Zugang innerhalb des jeweiligen Verfahrens. Bei einer ICP-OES- oder ICP-MS-Analyse wird das Haar dagegen aufgelöst und seine Elemente werden als Konzentrationen bestimmt.
Auch bei einer echten Labormessung muss das Ergebnis passend eingeordnet werden. Haar und Blut haben verschiedene Aufgaben und zeigen verschiedene Zeiträume. Sie müssen deshalb nicht dieselben Werte liefern. Der direkte Zwangsvergleich führt schnell zu falschen Schlüssen.
Wer sich nach einem alternativen Angebot wohler fühlt, kann diese persönliche Erfahrung für sich ernst nehmen. Eine Messung, eine Diagnose oder eine allgemeine medizinische Wirkung ist damit aber nicht bewiesen. Wer eine quantitative Elementbestimmung im Haar sucht, findet beim Mineral-Check Complex Informationen zur Laboranalyse mit ICP-OES. Sie kann der persönlichen Orientierung dienen und ersetzt keine ärztliche Diagnose.