Lithium – Spurenelement mit Potenzial gegen Alzheimer?

Lithium – Spurenelement mit Potenzial gegen Alzheimer?

Wenn wir „Lithium“ hören, denken viele zuerst an Medikamente gegen Depressionen oder bipolare Störungen. Weniger bekannt ist: Lithium ist auch ein natürlich vorkommendes Spurenelement, das in winzigen Mengen im Trinkwasser und in manchen Lebensmitteln vorkommt – und das zunehmend ins Visier der Alzheimer-Forschung rückt.

Was ist Lithium eigentlich?

Lithium ist ein Metall, das in der Erdkruste und im Meerwasser vorkommt. In der Medizin wird es seit Jahrzehnten in hohen Dosen als Stimmungsstabilisator eingesetzt. Doch unabhängig von dieser therapeutischen Anwendung benötigt der menschliche Körper vermutlich winzige Mengen Lithium für verschiedene Stoffwechselprozesse – ähnlich wie bei Zink oder Selen.

Lithium und das Gehirn

In den letzten Jahren haben Forscher entdeckt, dass Lithium auf Nervenzellen schützend wirken kann. Es scheint Entzündungsprozesse im Gehirn zu bremsen und die Bildung neuer Nervenzellen anzuregen. Besonders spannend: Lithium könnte helfen, schädliche Eiweißablagerungen (Beta-Amyloid und Tau-Proteine), die bei Alzheimer-Patienten auftreten, zu reduzieren.

Was sagt die Wissenschaft?

  • Tierstudien zeigen, dass Lithium in niedriger Dosis den Gedächtnisverlust verlangsamen kann.
  • Beobachtungsstudien bei Menschen deuten an: In Regionen, in denen das Trinkwasser etwas mehr natürliches Lithium enthält, ist die Alzheimer-Rate tendenziell niedriger.
  • Klinische Studien mit niedrigen Lithiumdosen laufen noch – die bisherigen Ergebnisse sind vielversprechend, aber nicht abschließend.

Vorsicht: Dosis macht den Unterschied

Hier ist wichtig zu wissen: Die Lithium-Mengen, die in der Alzheimer-Forschung untersucht werden, sind winzig – im Mikro- bis Milligrammbereich pro Tag. Das hat nichts mit den hohen Dosen zu tun, die bei psychiatrischen Erkrankungen verschrieben werden und unter ärztlicher Kontrolle stehen müssen.

Zu viel Lithium kann Nebenwirkungen haben. Deshalb sollte man Lithium nicht eigenmächtig als Nahrungsergänzung einnehmen, sondern immer vorher ärztlich oder labormedizinisch klären, ob es sinnvoll ist.

 

Lithium ist mehr als nur ein „Psychopharmaka-Metall“. Als Spurenelement spielt es möglicherweise eine schützende Rolle im Gehirn – und könnte eines Tages Teil der Alzheimer-Prävention werden. Noch sind die Studien nicht abgeschlossen, doch wer auf eine gesunde Mineralstoffversorgung achtet, tut seinem Körper in jedem Fall etwas Gutes.

 

Wissenschaftliche Fachartikel & Reviews

Ein umfassender Review zeigt auf molekularer Ebene, wie niedrig dosiertes Lithium neuroprotektiv wirkt – durch Hemmung von GSK‑3β, Verringerung von Tau-Hyperphosphorylierung, Abbau von Amyloid-Plaques, Förderung der Neurogenese und Reduktion von Entzündungen

Minireview: Lithium: a therapeutic option in Alzheimer’s disease and its prodromal stages? - ScienceDirect

Eine systematische Meta‑Analyse fasst präklinische und klinische Studien zur neuroprotektiven Wirkung von Lithium bei Alzheimer und Parkinson zusammen Lithium and disease modification: A systematic review and meta-analysis in Alzheimer's and Parkinson’s disease - ScienceDirect

Ein weiterer Überblick präsentiert historische Hintergründe, Wirkmechanismen und das Potenzial von Lithium in der Prävention und Behandlung neurodegenerativer Erkrankungen An Overview of the Effects of Lithium on Alzheimer’s Disease: A Historical Perspective