Was verraten Haare über unsere Umwelt?

Unsere Haare begleiten uns jeden Tag. Sie kommen mit Wasser, Luft, Staub, Kosmetikprodukten und vielen anderen Dingen aus unserer Umgebung in Kontakt. Gleichzeitig entstehen sie im Körper und wachsen über einen längeren Zeitraum.

Genau diese Kombination macht Haare zu einem interessanten Probenmaterial. Doch wenn bestimmte Elemente in einer Haarprobe gefunden werden, stellt sich eine wichtige Frage: Woher kommen sie eigentlich?

Die Antwort ist nicht immer eindeutig. Ein gemessener Stoff kann mit verschiedenen inneren und äußeren Einflüssen zusammenhängen. Deshalb lohnt es sich, Haare nicht nur als „Material für einen Test“ zu betrachten, sondern auch zu verstehen, welchen Einflüssen sie im Alltag ausgesetzt sind.

Haare entstehen im Körper – leben aber in unserer Umwelt

Ein Haar wird in der Haarwurzel gebildet. Während des Wachstums entsteht nach und nach der Haarschaft, den wir später sehen und abschneiden können.

Sobald das Haar aus der Kopfhaut herausgewachsen ist, beginnt jedoch ein zweiter Teil seiner Geschichte: Es befindet sich ständig in unserer Umgebung.

Wir waschen unsere Haare, verwenden Shampoo oder andere Pflegeprodukte, gehen schwimmen, treiben Sport und verbringen Zeit zu Hause, am Arbeitsplatz oder im Freien.

Ein Haar kann deshalb sowohl Informationen aus seiner Entstehungsphase als auch Spuren äußerer Einflüsse tragen.

Wasser, Staub und Luft gehören zum Alltag

Unsere Umgebung ist keineswegs frei von Mineralstoffen und anderen Elementen. Schon Trinkwasser enthält je nach Region unterschiedliche Mengen verschiedener Mineralstoffe. Auch Staub besteht aus zahlreichen Bestandteilen.

Hinzu kommen individuelle Lebens- und Arbeitsbedingungen.

Wer beispielsweise regelmäßig mit bestimmten Materialien arbeitet, lebt möglicherweise in einer völlig anderen Umgebung als jemand, der überwiegend im Büro tätig ist.

Auch Hobbys können eine Rolle spielen. Gartenarbeit, Renovierungsarbeiten, Werkstätten, intensive sportliche Aktivitäten oder häufiges Schwimmen bringen Haare mit unterschiedlichen Umgebungen in Kontakt.

Das bedeutet allerdings nicht automatisch, dass sich jeder dieser Einflüsse später eindeutig in einer Haarprobe erkennen lässt.

Auch Haarpflege kann eine Rolle spielen

Haare werden teilweise über Monate hinweg regelmäßig behandelt.

Shampoo und Pflegeprodukte gehören für die meisten Menschen selbstverständlich zum Alltag. Hinzu kommen bei manchen Personen Haarfärbemittel, Tönungen, Blondierungen, Stylingprodukte oder andere kosmetische Behandlungen.

Deshalb ist die Vorgeschichte einer Haarprobe nicht völlig unwichtig.

Gerade chemisch behandelte Haare unterscheiden sich von naturbelassenen Haaren. Bei einer Laboruntersuchung sollte daher bekannt sein, ob Haare beispielsweise gefärbt oder anderweitig chemisch behandelt wurden.

Aus diesem Grund sind klare Hinweise zur richtigen Probenentnahme wichtig.

Ein gemessener Wert verrät nicht automatisch seine Herkunft

Dieser Punkt wird leicht übersehen.

Wird bei einer instrumentellen Untersuchung ein bestimmtes Element in einer Haarprobe gemessen, bedeutet das zunächst einmal: Dieses Element wurde in der untersuchten Probe bestimmt.

Daraus lässt sich aber nicht automatisch ableiten, woher dieses Element stammt.

Ein Laborwert erzählt also nicht von selbst die gesamte Geschichte.

Bei der Betrachtung können deshalb zusätzliche Informationen hilfreich sein: Wie wurden die Haare behandelt? Gibt es besondere berufliche Einflüsse? Welche Umweltbedingungen spielen eine Rolle? Wurden regelmäßig bestimmte Produkte verwendet?

Solche Informationen können helfen, Ergebnisse in einen persönlichen Zusammenhang zu stellen. Sie ersetzen jedoch keine medizinische Diagnostik.

Warum die richtige Haarprobe wichtig ist

Damit Untersuchungsergebnisse möglichst gut vergleichbar sind, sollte die Probenentnahme nach klaren Vorgaben erfolgen.

Dabei spielen unter anderem die verwendete Haarpartie, die Länge der Probe und mögliche chemische Behandlungen eine Rolle.

Auch eine ausreichende Probenmenge ist wichtig, damit die vorgesehene Laboruntersuchung durchgeführt werden kann.

Wer eine Haarprobe einsendet, sollte deshalb die jeweiligen Entnahmehinweise beachten und nicht einfach beliebige Haare aus einer Bürste oder vom Boden verwenden.

Haare sind ein interessantes Probenmaterial – aber kein Blick in den ganzen Körper

Haare haben Eigenschaften, die sie für bestimmte analytische Fragestellungen interessant machen. Gleichzeitig haben Haaruntersuchungen – wie jedes Untersuchungsverfahren – Grenzen.

Ein einzelner Wert sollte deshalb nicht automatisch als Beweis für einen Nährstoffmangel, eine Vergiftung oder eine Erkrankung verstanden werden.

Bei gesundheitlichen Beschwerden oder einem konkreten Verdacht auf einen Mangel, eine Vergiftung oder eine Erkrankung ist eine ärztliche Abklärung erforderlich. Je nach Fragestellung können beispielsweise Blut- oder Urinuntersuchungen notwendig sein.

Entscheidend ist also immer die Frage:

Was wurde tatsächlich gemessen – und welche Aussage lässt diese Messung zu?

Von der Haarprobe zur instrumentellen Messung

Soll untersucht werden, welche ausgewählten Elemente in einer Haarprobe enthalten sind, kann dies mit instrumentellen Laborverfahren erfolgen. Dabei wird die eingesandte Probe entsprechend vorbereitet und anschließend analytisch untersucht.

Welche Mineralstoffe, Spurenelemente und weitere Elemente untersucht werden können, wie die Probenentnahme funktioniert und wo die Grenzen einer solchen Untersuchung liegen, erklären wir ausführlich auf unserer Informationsseite zur Haarmineralanalyse.

So bleibt die Haarprobe das, was sie zunächst einmal ist: ein interessantes Untersuchungsmaterial, dessen Messergebnisse immer im Zusammenhang mit der jeweiligen Fragestellung betrachtet werden sollten.

Hinweis: Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung durch qualifizierte Fachpersonen.