Blutwerte beim Pferd: Was Training kurzfristig verändert
Der Ausritt ist vorbei, der Sattel hängt wieder an seinem Platz. Ihr Pferd trinkt, Sie räumen die Putzkiste weg. Vielleicht steht heute auch eine Blutabnahme an. Spielt es eine Rolle, dass Ihr Pferd gerade gearbeitet hat? Bei Blutwerten beim Pferd lohnt sich diese Frage. Denn zu einem Messwert gehört auch die Geschichte davor.
Eine am 2. September 2026 veröffentlichte Studie aus Kolumbien liefert dazu neue Beobachtungen. Sie macht deutlich, warum ein Laborbericht nach dem Training anders aussehen kann als davor. Für Pferdehalter ist vor allem eines praktisch: Beim nächsten Untersuchungstermin lässt sich mit wenigen Angaben helfen, Ergebnisse besser einzuordnen.
Was die neue Studie beobachtet hat
Das Forschungsteam untersuchte 76 gesunde, trainierte kolumbianische Gangpferde. Es nahm Blut vor und innerhalb von zwei Minuten nach einer etwa 20 bis 25 Minuten langen Trainings- oder Wettbewerbseinheit ab.
Danach waren unter anderem Blutzucker und Laktat erhöht. Laktat entsteht im Energiestoffwechsel, also wenn der Körper Energie bereitstellt. Auch das Säure-Basen-Gleichgewicht im Blut verschob sich leicht. Die gemessenen Elektrolyte blieben dagegen vergleichsweise stabil. Das sind gelöste Mineralstoffe wie Natrium und Kalium. Einige Veränderungen unterschieden sich je nach Gangart.
Untersucht wurde die unmittelbare Reaktion auf Belastung, nicht die Wirkung eines Ergänzungsfutters. Die Ergebnisse gelten zunächst für diese trainierten Pferde. Sie verraten weder, wie schnell sich alle Werte wieder normalisieren, noch welche Ergänzung ein einzelnes Freizeitpferd braucht. Die Originalstudie im Fachjournal Animals ist auf Englisch erschienen.
Blutwerte beim Pferd brauchen einen passenden Zeitpunkt
Die Grundidee ist nicht neu: Bewegung, Aufregung und Medikamente können Laborwerte beeinflussen. Darauf weist auch die veterinärmedizinische Wissensplattform eClinpath der Cornell University hin. Für viele Untersuchungen wird Blut deshalb möglichst vor körperlicher Belastung entnommen. Manchmal möchte der Tierarzt aber gerade die Reaktion nach Bewegung untersuchen. Entscheidend ist die Frage, die der Test beantworten soll.
Fragen Sie bei der Terminvereinbarung deshalb einfach: „Soll mein Pferd vorher Ruhe haben, oder ist die Untersuchung nach dem Training geplant?“ Ändern Sie Medikamente oder Fütterung nicht auf eigene Faust, um vermeintlich bessere Werte zu bekommen. Besprechen Sie die Vorbereitung mit der Praxis.
Hilfreich sind kurze Notizen: Wann wurde zuletzt geritten? Wie anstrengend war es? War das Pferd bei der Blutabnahme sehr aufgeregt? Welche Medikamente bekommt es? Das muss kein aufwendiges Tagebuch werden. Ein paar Stichworte auf dem Handy reichen als Gesprächsgrundlage.
Eine Zahl ist noch kein Fütterungsplan
Ein Laborbericht kann schnell verunsichern. Neben einem Wert steht ein Pfeil, im Stall fällt das Wort „Mangel“, und plötzlich klingt ein zusätzliches Pulver nach einer einfachen Lösung. Bevor Sie etwas bestellen, lohnt sich eine Rückfrage: Was bedeutet dieser konkrete Befund bei meinem Pferd?
Bitten Sie um eine verständliche Erklärung. Welche Werte gehören zusammen? Passt das Ergebnis zur Untersuchung? Ist eine Kontrolle nötig? So wird aus einer Liste mit Zahlen ein Gespräch, mit dem Sie tatsächlich etwas anfangen können. Auffälligkeiten sollten dabei weder vorschnell als Mangel bezeichnet noch pauschal mit dem Training erklärt werden.
Wer die Begriffe nachlesen möchte, findet in unserem Beitrag Mineralien und Pferdegesundheit: Fokus auf Elektrolyte einen Einstieg. Eine individuelle Dosierung sollte daraus nicht abgeleitet werden.
Nach dem Reiten: Wasser und Erholung zuerst
Für den Stallalltag empfiehlt die University of Minnesota frei zugängliches, sauberes Wasser sowie Schatten und gute Luftbewegung bei Wärme. Ein warmes Pferd muss nicht erst vollständig abkühlen, bevor es trinken darf. An heißen Tagen sollten Dauer und Anstrengung des Trainings angepasst werden.
Bei starkem Schwitzen können Elektrolyte eine Rolle spielen. Werden sie dem Trinkwasser zugesetzt, muss zusätzlich reines Wasser bereitstehen: Manche Pferde mögen den veränderten Geschmack nicht. Ob und welches Produkt passt, besprechen Sie am besten mit Ihrer tierärztlichen Praxis.
Wirkt Ihr Pferd ungewöhnlich schwach, unsicher auf den Beinen oder atmet anhaltend schwer, holen Sie umgehend tierärztlichen Rat. Warten Sie dann nicht auf einen geplanten Labortermin. Diese Hinweise stammen aus dem Haltungsratgeber der University of Minnesota; sie sind Hintergrundwissen und kein neues Ergebnis der kolumbianischen Studie.
Und wo passt eine Haaranalyse hinein?
Auch hier hilft die Frage: Was möchte ich überhaupt wissen? Der Mineral-Check Pferd misst ausgewählte Elementkonzentrationen in einer Mähnenhaarprobe. Er untersucht anderes Probenmaterial als ein Bluttest.
Eine solche Haarmessung zeigt nicht, wie viel Salz Ihr Pferd beim heutigen Ausritt verloren hat. Sie ersetzt weder die tierärztliche Untersuchung noch weist sie allein einen Nährstoffmangel nach. Ein Ergebnis ist deshalb keine unmittelbare Anleitung zum Zufüttern.
Für den nächsten Termin können Sie sich einen einfachen Satz merken: Zum Laborwert gehört der Alltag des Pferdes. Erzählen Sie davon. Wann es gearbeitet hat, wie es sich dabei zeigte und welche Frage Sie beschäftigt, ist im Gespräch oft der beste Anfang.
Quellen
- Zuluaga-Cabrera und Team: Exercise-Induced Acid–Base, Electrolyte, and Metabolic Responses in Colombian Creole Horses Across Different Gait Modalities. Animals, veröffentlicht am 2. September 2026. Neue Beobachtungsstudie aus Kolumbien.
- Cornell University, eClinpath: Non-disease variables. Fachliche Einordnung von Einflüssen auf Laborwerte, abgerufen am 4. September 2026.
- University of Minnesota Extension: Caring for horses during hot weather. Haltungsratgeber, fachlich überprüft 2024, abgerufen am 4. September 2026.
Dieser Beitrag informiert allgemein und ersetzt keine tierärztliche Beratung. Das Beitragsbild ist eine KI-generierte Illustration und zeigt kein Tier aus der Studie.

